Abgeschlossene Projekte


Wanderfalke (Foto: J. Ferdinand)

In den mehr als 20 Jahren seines Bestehens hat der Brehm Fonds zahlreiche Fördermittel für die weltweite Erforschung der Vogelwelt, ihrer Lebensräume und Gefährdungsursachen bereitgestellt. Das Spektrum der geförderten Maßnahmen und Projekte reicht dabei von der Unterstützung wissenschaftlicher Symposien und Workshops über Freilanduntersuchungen im tropischen Regenwald bis hin zum Aufbau von Zucht- und Forschungsstationen zur Erforschung und Erhaltung besonders gefährdeter Arten. Nachfolgend finden Sie eine Auswahl der wichtigsten abgeschlossenen Projekte:

 

Storchen- und Kranichschutz

In den 1980er und 1990er Jahren förderte der Brehm Fonds eine Reihe von Projekten, die Feldforschung und gezielte Maßnahmen zum Schutz einzelner Arten der Störche (Ciconiidae) und Kraniche (Gruidae) beinhalteten. Beispielgebend seien das in enger Zusammenarbeit mit dem Vogelpark Walsrode und russischen Ornithologen durchgeführte Zucht- und Auswilderungsprogramm Sibirischer Kraniche (Grus grus lilfordi), Überwachungsmaßnahmen für den Saruskranich (Grus antigone) im Tram Chin Reserve von Vietnam einschließlich der Einrichtung des Brehm Education Centers und der Bau eines Beobachtungsturmes für Klaffschnabelstörche (Anastomus oscitans) in Thailand genannt.

Weitere geförderte Arten: Weißstorch (Ciconia ciconia); Schwarzstorch (Ciconia nigra); Schwarzschnabelstorch (Ciconia boyciana); Graukranich (Grus grus); Kubakranich (Grus canadensis nesiotes); Schneekranich (Grus americana); Schwarzhalskranich (Grus nigricollis).

 

Aufbau einer Zucht- und Forschungsstation auf Mallorca

In Campanet auf der Baleareninsel Mallorca wurde eine moderne Forschungs- und Zuchtstation mit zahlreichen Volieren errichtet. Hier konnten wichtige Erfahrungen in der Eingewöhnung und Haltung zahlreicher Vogelarten, z.B. Papageien, gewonnen werden. Die jetzt unter der eigenständigen Leitung der spanischen „Fundación Brehm para la Protección Internacional de las Aves“ stehende Station hat in den vergangenen Jahren maßgeblich zur erfolgreichen Wiederansiedlung der vom Aussterben bedrohten Mönchsgeier (Aegypius monachus) auf der Baleareninsel beigetragen.

 

Erforschung der Vogelwelt der Südsee

Mit Unterstützung des eigenen Forschungsschiffes „Breum“ wurde von 1989-1994 eine Südsee-Expedition nach Französisch-Polynesien und Mikronesien durchgeführt. Dank der großzügigen Hilfe des Königs von Tonga konnte auf Tongatapu eine Forschungsstation mit angeschlossenem Vogelpark zur Untersuchung der Lebensgewohnheiten zahlreicher Arten der Südseeinseln errichtet werden. Die Forschungsarbeiten beinhalteten auch eine Kooperation mit Prof. E. Curio, Ruhr-Universität Bochum, der u.a. Freilandstudien über endemische Großfußhühner (Megapodidae), Fruchttauben (Columbidae) und Papageien (Psittaciformes) durchführte.

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Vogel-Pflanze-Wechselbeziehungen in Kolumbien

In den West- und Zentralanden Kolumbiens wurden in den Jahren 1990-1991 Forschungen über die Interaktionen von nektarfressenden Kolibris (Trochilidae) und ihren Nahrungspflanzen durchgeführt. Hierbei wurde ermittelt, welche Kolibriarten in den Ökosystemen Regenwald und Páramo in welcher Häufigkeit (waldfreie hochandine Vegetationsstufe) als Bestäuber vogelblütiger Pflanzen fungieren. Außerdem wurden Pflanzenmerkmale analysiert, die den Vögeln die Suche nach Nektarquellen erleichtern und im Konkurrenzkampf der Pflanzen um Bestäuber eine wichtige Rolle spielen. In einem zweiten Forschungsschwerpunkt wurden Bestände und Verteilungsmuster regenwaldbewohnender Vogelarten, z.B. Tangaren (Thraupidae), erfaßt und ausgewertet. Die Daten beider Projektteile lieferten wichtige Erkenntnisse über weniger bekannte und teilweise gefährdete Arten sowie Arten mit beschränktem Verbreitungsgebiet.

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Biodiversität tropischer Lebensräume in Ecuador

In diesem 1991 gestarteten Projekt wurden in einer mehrjährigen Studie Vogelgemeinschaften der tropischen Tieflandregenwälder der Chocó-Region Westecuadors untersucht, die weltweit zu den artenreichsten, aber auch am stärksten gefährdeten Lebensräumen gehören. Ein besonderes Augenmerk galt der Erforschung der Biologie und dem Status endemischer und bedrohter Arten wie dem Tuberkelhokko (Crax rubra), dem Großen Soldatenara (Ara ambigua) und dem Langlappen-Schirmvogel (Cephalopterus penduliger). Eine in diesem Zusammenhang entwickelte Schnellerfassungsmethode für tropische Vogelarten gewährleistet eine rasche und zuverlässige Inventarisierung von Vogelpopulationen in den bislang wenig erforschten und kaum zugänglichen Regenwäldern, ein wichtiges Argument bei der Vorbereitung von naturschutzpolitischen Entscheidungen.

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Vogel-Monitoring in der Mongolei

In Zusammenarbeit mit der „Foundation Reserves Przewalski Horse“ (Niederlande) und der „Mongolian Association for Conservation of Nature and Environment“ unterstützte der Brehm Fonds 2001 ein Projekt zur Erfassung der Biodiversität und dem Schutz der Avifauna im Hustai Nuruu National Park. Dazu gehörte die Erfassung der Bestände ziehender Wasservögel im Tuul River Valley. Der Nationalpark ist Heimat zahlreicher national und global gefährdeter Arten wie Schwanengans (Anser cygnoides), Streifengans (A. indicus), Kranich (Grus grus) und Schwarzstorch (Ciconia nigra). Wertvolles Wissen über das Monitoring von Wasservögeln konnte in einem begleitenden Kurs den Teilnehmern, mongolischen Wissenschaftlern und Studenten, vermittelt werden. Ebenfalls wurden Daten über die Verbreitung, Raumnutzung und Gefährdung von im Nationalpark ansässigen Greifvogelarten wie Mönchsgeier (Aegypius monachus), Steinadler (Aquila chrysaetos) und Würgfalke (Falco cherrug) gewonnen, die deren Überlebensstrategien erklären und künftig für gezielte Schutzmaßnahmen nutzbar sind.

 

Wanderfalkenauswilderung in Deutschland

Seit 1987 förderte der Brehm Fonds ein nationales Schutzprojekt für eine Vogelart, die in den 1970er Jahren in Mitteleuropa nahezu ausgestorben war: den Wanderfalken (Falco peregrinus). Als Endglied einer Nahrungskette wurden ihm – wie anderen Greifvögeln auch – die chemischen Belastungen zum Verhängnis, die der ungehemmte Einsatz des hochgiftigen DDT in der Landwirtschaft zur Folge hatte. Der Bruterfolg blieb aus, da die Eierschalen brüchig wurden und die Nestlinge infolgedessen abstarben. Trotz des später erfolgten DDT-Verbots wäre mit dem Wanderfalken wahrscheinlich eine weitere Art aus unserer Landschaft verschwunden, hätten nicht umsichtige Naturschützer in dieser prekären Situation Rettungsmaßnahmen eingeleitet, um das Überleben dieser eleganten Flieger und den Wiederaufbau eines stabilen Bestandes zu gewährleisten.

Unser Projektpartner, die Wanderfalken-Zucht- und Forschungsstation Hamburg, konnte 1996 ihr fast 30-jähriges Programm zur Wiederansiedlung felsbrütender Wanderfalken abschließen. Die Wiederbesiedlung weiter Gebiete vor allem in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und – nach der politischen Wende in Ostdeutschland – in den Neuen Bundesländern war außerordentlich erfolgreich verlaufen. Bereits vor der Wende hatten sich zahlreiche der ausgewilderten Falken nicht an die politische Grenze gehalten und verwaiste Brutgebiete in der DDR aufgesucht, wo die Art Anfang der 70er Jahre vollkommen ausgestorben war. Nachdem endlich eine Zusammenarbeit mit den engagierten ostdeutschen Naturschützern, die sich im „Arbeitskreis Wanderfalkenschutz“ (AWS) zusammenschlossen, möglich wurde, kam es zu einer intensiven Kooperation zwischen der Hamburger Station und verschiedenen regionalen Schutzgruppen. Ein besonderer Erfolg war die Auswilderung gezüchteter Wanderfalken im Elbsandsteingebirge: nach nur neun Jahren brüteten 2004 im Bereich des Nationalparks „Sächsische Schweiz“ wieder insgesamt 22 Paare. Die Population strahlt inzwischen auch in den böhmischen Bereich des Gebirges aus. Diese Aktion war auch deshalb enorm wichtig, weil erstmals lückenlos nachgewiesen werden konnte, dass alle Brutfalken aus dem Auswilderungsprogramm stammten. Auch alle Nachkommen dieser sich selbst erhaltenden Population werden weiterhin genauestens beobachtet. Die Identifizierung der einzelnen Individuen gelingt mittels spezieller Beringung. Auch im nördlichen Nachbarland Dänemark tragen die Auswilderungen erste Früchte: das Weibchen des ersten dort nachgewiesenen Brutpaares konnte als Zögling der Hamburger Station identifiziert werden.

Neben den an Felsen und hohen Gebäuden (Kunstfelsen) brütenden Falken existierte vor dem DDT-verursachten Bestandseinbruch in Mitteleuropa ein baumbrütende Population. Es handelte sich um das größte, dichteste und erfolgreichste Vorkommen der Art überhaupt und erstreckte sich über die Norddeutsche Tiefebene weit nach Polen, das Baltikum, Russland, Finnland und Südschweden. Diese ursprünglich auf mehr als 2000 Brutpaare geschätzte Population war vollkommen erloschen. Nach Angaben von AWS-Experten ist mit einer spontanen Besiedlung felsfreier Räume durch aus Felshorsten stammende Vögel nicht zu rechnen. Somit muss die unterbrochene Tradition der Baumbrut von den Falken neu erlernt werden. Aus diesem Grund wurden schon vor der Wende experimentelle Auswilderungen von Baumkunsthorsten aus durchgeführt. Da sich die Methode als erfolgreich erwies, wurde nach der Wiedervereinigung mit einem Programm zur Wiedereinführung der ausgestorbenen baumbrütenden Population begonnen. In Zusammenarbeit mit dem AWS Brandenburg und dem Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern wurden die aus Hamburg stammenden Jungfalken seit 1991 an mehreren Orten in Brandeburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen (betreut vom AWS) asugewildert. Der erste Erfolg stellte sich 1996 ein: in Brandenburg brütete erstmals seit 30 Jahren wieder ein Falkenpaar auf dem verlassenen Horst eines Milans und zog eigene Junge groß.


Betreuerin der Hamburger Station mit Jungfalken (© C. Saar)

Nach einem Umzug 2002 konnte eine neue Station bezogen werden, die Platz für 20 Paare bietet. In dem Neubau konnten Erkenntnisse berücksichtigt werden, die sich aus der Erfahrung mit der alten Anlage ergeben hatten. Der Umzug der Falken fand im Dezember 2002 statt. Bedingt durch den damit verbundenen Streß wurde in der folgenden Brutsaison jedoch etwa nur die Hälfte der sonst üblichen Anzahl von Jungfalken, insgesamt 19, aufgezogen. Ansonsten ergab sich aber der Eindruck, dass sich die Vögel recht gut in den neuen Volieren eingelebt hatten. Dies wurde durch Bruterfolge von jährlich über 40 Jungvögeln in den Folgejahren bestätigt.

 

Aktuell sind mehr als 20 baumbrütende Wanderfalkenpaare bekannt. Es ist durchaus möglich, dass das eine oder andere Paar bisher unentdeckt geblieben ist. Angesichts der ausgedehnten Waldungen in den Neuen Bundesländern ist der Nachweis von brütenden Wanderfalken allerdings auch sehr schwierig. Außer den Wiederansiedlungen im deutschen Baumbrüterareal gibt es in ganz Osteuropa keine aktuellen Nachweise baumhorstender Falken. Die mit finanzieller Hilfe des Brehm Fonds von der Hamburger Station aufgezogenen Falken tragen dazu bei, die Erhaltung der mitteleuropäischen Baumbrüterpopulation dauerhaft zu erreichen.


Jungfalken einer Kunsthorst-Baumbrut mit adoptiertem Jungvogel (rechts vorn) in Mecklenburg (Mai 2003;
© P. Sömmer)


 
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